Mein Israel

 

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Mein zweiter Trip ans Tote Meer. Eine Frau aus den Staaten, die gerade im Hostel abgestiegen ist und zwei Wochen Urlaub in Israel verbringen will, plant eine viertaegige Rundreise im Leihwagen und will am Toten Meer anfangen - eine gute Gelegenheit, um etwas Geld fuer den Bus zu sparen.

Nachdem wir nach einer Stunde Wartezeit den Wagen endlich haben (bei den billigen Preisen darf man wohl keinen Service erwarten) und gleich mal zwei Regeln brechen (nur der Leihende darf fahren und Fahrten in die Westbank sind tabu) machen wir uns auf nach En Gedi. Ich werde am Eingang des Naturparks abgesetzt. Ein Wasserfall ist hier schon eine Attraktion, das erklaert die grosse Zahl an SChulklassen, die mir auf dem engen Pfad begegnen. (Orthodoxe Maedchen mit de4n typischen Roecken bis zu den Knoecheln Bergpfade kraxeln zu lassen halte ich fuer unverantwortlich)

Auf einem ruhigeren Nebenpfad begebe ich mich dann zum Strand hinunter. Ist schon lustig im Toten Meer zu baden - einfach nur im Wasser liegen und in den Himmel schauen. Brustschwimmen ist da wesentlich schwieriger, weil die Beine immer nach oben gedrueckt werden und aus dem Wasser ragen. Auf dem Ruecken koennte man jedoch bequem nach Jordanien schwimmen, aber da passt der Bademeister schon auf. Also nehme ich morgen den Bus.

29.11.06 20:00


Nach dem Stadtspaziergang gestern war ich heute wandern im Jerusalem Forest, westlich der Stadt. Das Gebiet ist nicht allzu gross, mehr als Tagestouren sind nicht drin. Aber es erinnert einen schon etwas an mitteleuropaeische Mittelgebirgslandschaft, wenn man davon absieht, dass der Wald kuenstlich angelegt ist. Hier gibt es sogar Gras. Das ist schon erwaehnenswert, wie ich finde - gibts naemlich sonst nur in Stadtparks hier.
28.11.06 17:00


Da sich das mit dem Jobben doch etwas schwieriger gestaltet, wegen fehlender Arbeitserlaubnis und ich auf eine Arbeit als Volunteer in einem Hostel keine Lust hab, ueberlege ich gerade fuer 6-8 Wochen in ein Kibbutz zu gehen, um diese andere Seite Israels mal kennen zu lernen und meine Lebenshaltungskosten zu reduzieren. Also hab ich heute einen Ausflug nach Tel Aviv gemacht und war dort beim Kibbutz Programm Office, wo mir gesat wurde dass das nicht geht, weil ich bereits laenger als einen Monat im Land bin und das Innenministerium entschieden hat, Visa , die aelter als 4 Wochen sind, nicht mehr in Voluntaers-Visa umzuwandeln. Also brauche ich erstmal ein neues Touri-Visa.

Die Gelegenheit hab ich genutzt, Tel Aviv ein wenig besser kennenzulernen, sogar ohne mich zu verlaufen diesmal. Ich hoffe beim naechsten mal genug Zeit zu haben, um mir das Museum of Art anzuschauen. Da gibt es gerade eine Ausstellung mit Bildern von Reuven Rubin, einem interessanten israelischen Maler. Leider machen die meisten Museen hier immer schon um vier zu - aber Di. und Do. ist das Kunstmuseum bis zehn geoeffnet.

Abends war ich ganz schoen erschoepft, hab aber trotzdem noch deutsch gelernt mit Om. Kann ich schon verstehen, dass er seinen Kurs um 8 Uhr frueh hin und wieder sausen laesst. Er hat auch ein verdammt komisches Buch - im Prinzip nur Grammatik und verdammt anspruchsvoll fuer Anfaenger. Irgendwie nicht die richtige Art, um eine Sprache zu lernen.

27.11.06 22:00


Nachdem saemtliche Hostelstammgaeste ihre Erkaeltungen auskuriert haben, bin ich jetzt dran. Ist nichts ernstes, aber schlaegt etwas aufs Gemuet. Fuehle mich halt etwas schlapp und lustlos - aber da kann ich mir mal Zeit nehmen und schauen was die zighundert Fernsehkanaele hier hergeben.

Bisher hab ichs ja ganz leidlich ertragen, aber momentan stoert es doch ganz schoen, dass ueberall in den Gemeinschaftsraeumen geraucht wird.

Einer der Kettenraucher ist W., was aber nicht mal das schlimmste an ihm ist. Er stammt aus Russland, hat juedische Wurzeln und ist ueber abenteuerliche Wege ueber die Tuerkei nach Jerusalem gekommen. Er redet staendig ueber irgendwelchen religionsgeschichtlichen Kram und ist ein Antisemit und Holocaustleugner. (Ja, die von der ganz krassen Sorte gibt es auch noch. Mit Relativierungen hat man es ja staendig zu tun, aber die voellige Negierung ist man eigentlich nur von Hardcore-Nazis gewohnt.) Seitdem ich das weiss, verweigere ich so ziemlich jede Kommunikation mit ihm, aber alleine seine Praesenz ist ganz schoen nervend.

21.11.06 19:00


Ich streife suedlich der Jaffa-Road herum und stoebere ein wenig in den Second-Hand-Buchlaeden, von denen es hier eine ganze Menge gibt. Ich finde eine Sammlung von Erzaehlungen mit dem Titel "On the way to Jerusalem" von Mordechai Kramer, die einen subjektiven Eindruck in die Immigrationsgeschichte und das Leben in Israel in den letzten 30 Jahren geben - sie handeln u.a. vom Gefuehl allein in einer unbekannten Stadt zu sein, womit ich mich zur Zeit ganz gut idntifizieren kann, auch wenn mir Jerusalem mittlerweile natuerlich nicht mehr so fremd ist.

Abends gabs auf dem Zion Square eine Demo gegen den Voelkermord im Sudan ( "Save Darfur!" ) Der schleichende Genozid, der sich dort abspielt, ist ja in Deutschland eher ein Nicht-Thema oder hat sich das veraendert und ich hab es nicht mitbekommen? Auch wenn ich die Art und Weise, wie auf solchen Veranstaltungen Fragestellungen thematisiert und Geschehnisse skandalisiert werden, gibt es durchaus zu denken, warum etwa der Nahost-Konflikt einen dermassen hohen Stellenwert in den Medien einnimmt, waehrend man nach Informationen zu Darfur, wo jeden Tag schaezungsweis 500 Menschen umgebracht werden, suchen muss.

20.11.06 20:00


Hab heute gnadenlos die Shabbatruhe gebrochen und bin mit Om. zum Unicampus - wir haben ca. 15 anderen Gleichgesinnten auf Kleinfeld gebolzt. War ganz schoen schnell, das Spiel, zumindest am Anfang. Ich hatte also ein wenig zu tun, um mitzuhalten nach zwei Monaten fussballerischer Abstinenz. Aber nach einer Weile konnte ich doch noch die ein oder andere gelungene Aktion beisteuern.

Sonntag war ich dementsprechend ruhig gestellt. Die Aktivitaeten des Vortages konnte ich in fast jedem Muskel spueren.

19.11.06 13:00


Abends war ich auf einem Konzert im Dail;a mit zwei Bands, bei deren Post-Hardcore-Noise-Emo-Mischmasch ich mich doch fast zu Hause, weil an beste Chekov-Zeiten erinnert gefuehlt hab. Das Daila ist eine der wenigen linken Locations in Jerusalem, mit zwei Etagen - einer unteren fuer Veranstaltungen, waehrend die obere mit einer barockesken Charme verspruehenden Couchgarnitur zum sitzen und plaudern einlaedt. Natuerlich gibts hier die einschlaegigen Palaestina-Soli-Magazine und hin und wieder ecke ich auch ein wenig an mit meiner proisraelischen Haltung, in dem Sinne, dass mir gesagt wird, einige meiner Aeusserungen waeren Positionen der Rechten in der politischen Landschafts Israel. Aber wie Adorno formuliert hat, muss man manchmal konservativ sein, um die Moeglichkeit einer befreiten Gesellschaft zu bewahren. Das ist natuerlich ein Dilemma, das die israelische Linke sich nicht so recht eingestehen mag. Aber als gesellschaftliches Regulativ ist sie nichts desto trotz notwendig.
16.11.06 21:00


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