Mein Israel

 

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Juhu, ich bin der 200. Besucher meines Weblogs!

Aber der eigentliche Sinn dieses Eintrags ist, euch die musikalische Landschaft hier etwas naeher zu bringen. Im Gegensatz zum unter dem Einfluss elektronischer Musik stehenden Europa mit seiner unendlichen Zahl an Crossovers und Subgenres wird hier der gute alte Rock'n'Roll noch hochgehalten, um nicht zu sagen geheiligt. Hier ist der Beweis - das nahoestliche Pendant zum Hard-Rock-Cafe:


1.12.06 18:51


Morgen gehts ins Kibbuz. Eine "Oase" in der  Negevwueste etwa 30 km noerdlich von Eilat, dem suedlichsten Zipfel Israels. Dort leben ca. 80 Erwachsene, 70 Kinder und 20-30 Voluntaere aus Israel und Allerwelt. Das wird wahrscheinlich schon ein ziemlicher Bruch zum Jerusalemer Stadtleben und das fruehe Aufstehen wird bestimmt eine Herausforderung. Aber gerade finde ich den Gedanken spannend, viel Zeit draussen zu verbringen, Oliven zu ernten und hoffentlich nette Leute dort kennen zu lernen. Ich werde ein paar Tage "Probearbeiten" und dann wird sich zeigen, ob es das richtige fuer die naechsten 6-8 Wochen ist.

11.12.06 12:03


Vormittags mache ich nochmal einen Streifzug durch das juedische Viertel und kaufe mir ein T-Shirt, dass ich mir schon vor einiger Zeit ausgesucht habe. Die Auswahl hier ist riesig - mein Favorit ist ein dunkelblaues mit dem Schriftzug "Israel" in den Farben der Flagge und darunter die Worte "since 1948". Simpel, aber irgendwie alles drin, was es zu sagen gibt.

Nachmittag nehme ich den Bus nach Eilat. Ca. 50 km vor der Tourismushochburg steige ich an einer Kreuzung aus. Von hier werde ich von Schai abgeholt, die seit einem Monat im Kibbuz hier arbeitet. Fast zur selben Zeit kommt ihr Bruder Tom mit dem Bus aus Tel Aviv an. Wir werden uns fuer die naechste Zeit ein Bungalow teilen. Tom ist 18, sprueht etwas vor jugendlichem Uebermut, ist aber ziemlich in Ordnung.

12.12.06 17:00


Der erste Tag in Neot Semadar, so der Name des Kibbuz', ist gewoehnlich frei. Man hat Zeit, sich umxuschauen und mit der Struktur vertraut zu werden. Es gibt hier einige neue Gebaeude, die architektonisch bemerkenswert sind, etwa das Kuenstlerhaus, das aus drei Fluegeln besteht und in dessen Mitte sich ein Turm erhebt, an dem der heisse Wuestenwind hinabstroemen soll, um ueber Wasser abgekuehlt zu werden. Der Luftstrom soll dann die Raeme kuehlen. Das Gebaeude insgesamt scheint, mit seiner Dominanz von Altrosatoenen irgendwie einem Maerchen entsprungen zu sein.

Es gibt hier einen kuenstlich angelegten See mit einer Insel und Kanus. Neot Smadar unterscheidet sich auch in anderer Hinsicht von andere Kibbuzim. Es wird biologisch produziert, Selbstvermarktung der Produkte ist ein wichtiges Element und die Spannbreite der Produkte ist ziemlich gross. Ich habe natuerlich keine Vergleichswerte, aber dieses Projekt scheint von den Idealen her, obwohl erst 1989 gegruendet sehr den Wurzeln der Kibbuzbewegung verpflichtet (so gibt es z.B. fast keine Lohnarbeiter).

Mittelpunkt des Kibbuz ist der Speisesaal. Das Essen wird hier im wesentlichen schweigend eingenommen und hat durchaus VoKue-Charme. Das meiste, was auf den Tisch kommt, wird auch hier hergestellt. Wahrscheinlich habe ich noch nie in meinem Leben so gesund gegessen, sprich soviel frisches Gemuese und Salat und Sprossen usw. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte. Zum Glueck gibt es den Pundak, eine Art Laden, wo die Kibbuz-Produkte verkauft werden und auch Zigaretten und Schoki und solche Sachen.

Vor dem Gebaeude mit dem Speisesaal ist Platz zum quatschen und relaxen bei einer Tasse Kaffee oder Schwarztee mit frischen Kraeutern (voll lecker). Im Foyer haengen Mitteilungen und der Arbeitsplan.

13.12.06 12:30


Erster Arbeitstag: Aufstehen um 5 Uhr! Klingt hart, fiel mir aber leichter als am Tag zuvor um 7 Uhr.

5.45 Uhr findet man sich im Speisesaal ein und beginnt den Tag gemeinsam schweigend, wer mag mit einer Scheibe Marmeladenbrot oder einer Tasse Tee, o.a.

Gearbeitet wird im Prinzip von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang - also von 6 bis ca. 17 Uhr. Klingt auch hart, es gibt aber ausgedehnte Pausen von jeweils 1h  zum Fruehstueck (zw. 8 und 10, je nachdem wo man arbeitet und zum Mittag (geg. 13 Uhr) Abendbrot gibt es um 7.

Ueberhaupt ist das allgemeine Tempo hier angenehm gemaechlich, im Gegensatz zu Jerusalem. Allein wie die Leute laufen ist ein enormer Unterschied.

In der Schicht von frueh bis mittag bin ich fuer den Ziegenstall (Dir) eingeteilt. Das heisst, die erste Handlung des Tages ist das Melken von ca. 150 Ziegen - zum Glueck nicht alle per Hand, die meisten koennen mit der Maschine gemolken werden - ist aber genug Arbeit. Hab ich ja auch noch nie vorher gemacht. Erklaert ist das schnell, aber grau ist die Theorie. Bis man ein Gefuehl dafuer bekommt, dauert es etwas. Da die Nacht in der Wueste kalt ist, hat man morgens entsprechend kalte Haende. Das moegen die Ziegen nicht so richtig, wenn man sich mit den kalten Haenden an ihren Eutern zu schaffen macht und springen manchmal mit den Hinterbeinen in die Luft. Bei manchen muss man die Sauger der Melkmaschine einfach nur anstoepseln und dann lauefts. Andere Faelle sind schwieriger und man muss gefuehlvoll nachhelfen. Jedes Euter ist anders, soviel ist klar. ;-)

Danach haben wir in einem der Gatter einen schoenen Komposthaufen aus dem Ziegenmist angelegt. Spaeter wurden die Ziegen ausgetrieben. Jake vorneweg mit "Boe, boe" ( "Kommt, kommt" ) Rufen und ich am Ende, um aufzupassen, dass wir kein Tier verlieren ...wer hat nicht mal davon getreaumt, Schaefer zu sein ... So haben wir die Herde in den Wein getrieben - da gehen die Ziegen voll drauf ab. Auf dem Rueckweg hatten wir sogar ein Tier mehr. Es ist gerade die Zeit der Geburten und eine passierte unterwegs. Vor einigen Tagen sollen es neun Junge an einem Tag gewesen sein.

Nachmittags helfe ich bei beim Abschluss der Olivenernte, ich habe also Glueck, das zu noch mitzuerleben. Die Oliven werden nicht alle von Hand gelesen. Es werden Netze ausgelegt und dann kommt ein Traktor mit einem speziellen Arm, der schuettelt den Baum richtig durch, was sehr lustig aussieht. Nebenbei kann man mit Stockschlaegen nachchelfen (das ist die traditionelle Variante). Nur die Oliven, die dann noch haengen, werden gepflueckt.

Abends nach Einbruch der Dunkelheit sind wir zurueck.

 

14.12.06 18:00


Heute habe ich wieder im Ziegenstall gearbeitet. Im Hebraeischen gibt es uebrigens fuer verschiedene Stallarten eigene Woerter. Also nicht Zusammensetzungen wie im Deutschen. Sprachhistorisch gesehen ist das ein Hinweis darauf, dass Landwirtschaft schon vor langen Zeiten hier eine Rolle gespielt hat. Genauso gibt es verschiedene Verben fuer das Ernten verschiedener Fruechte: Pfluecken ist nicht gleich pfluecken.

So langsam kriege ich den Bogen raus mit dem Melken und hab das Gefuehl zu helfen und nicht nur den Betrieb aufzuhalten. Den Shabbat hab ich mir verdient. ;-)

Heute abend begann Hanuka, mit einer besonderen Show. Auf den zwei Huegeln neben dem Kibbutz wurden nach Sonnenuntergang neun Feuer (der Hanuka-Leuchter hat neun Kerzen) entzuendet - ein toller Anblick. Wenn man den ganzen Tag arbeitet, hat man eh Hunger, aber das Hanuka-Mahl war etwas besonderes. Lauter oelige Sachen (Bratkartoffeln, Auberginen, ...) und zum Abschluss Pfannkuchen. Alle aus dem Kibbuz waren im Speisesaal und es wurde gesungen. Die Kinder haben Fensterbilder gebastelt. Gewisse Parallelen zum Weihnachtsfest sind wirklich nicht von der Hand zu weisen.

15.12.06 21:00


Samstag ist eigentlich der Tag, an dem man hier gewoehnlich die meiste Zeit hat, weil es im Prinzip der einzige freie Tag ist und man solche Dinge wie Blog schreiben in Ruhe erledigen koennte, wenn der Uralt-Rechner (ich glaube, der funktioniert noch mechanisch) sich nicht auch eine Shabbatruhe gegoennt und einfach die Arbeit verweigert haette. Deshalb also heute, am Sonntag, dem 24. Dez, dem ersten Arbeitstag der neuen Woche:

In den letzten Tagen habe ich hauptsaechlich auf der Dattelpalmenplantage (Mata) gearbeitet. Die liegt ein paar Kilometer entfernt vom Kibbutz im Tal (das Kibbutz selbst liegt etwa 400m hoch). Die Berge, die sich auf der anderen Seite der Ebene erheben, gehoeren bereits zu Jordanien. Es ist jeden Morgen ein toller Anblick, wenn man hinabfaehrt und die Sonne aufgeht.

Am ersten Tag in den Datteln habe ich mit der Machete Dornen entfernt, die sonst spaeter bei der Ernte im Sommer stoeren wuerden. Hin und wieder wird man dabei gestochen, was schon etwas schmerzhaft ist, zumal dabei ein leichtes Gift abgegeben wird, das die Haut etwas anschwellen laesst (vergleichbar mit einem mittleren Insektenstich). Zunaechst haben wir die jungen Palmen bearbeitet (botanisch gesehen handelt es sich ja um Grasgewaechse). Man steht auf dem Maniskop, einer Art u-foermigem Ausleger und arbeitet sich spiralfoermig nach oben. Sind die unteren Aeste befreit kann man in die Palme klettern und auf den Aesten stehend die oberen Teile behauen. Die jungen Gewaechse sind etwa 3-4 m hoch. Bei den aelteren Palmen, die wir spaeter bearbeitet haben, klettert man in etwa 7-8 m Hoehe herum. Um effektiver zu arbeiten, wird man (natuerlich nur wenn man sich das selbst auch wirklich zutraut) auf der Palme abgesetzt und arbeitet, ohne dass sich das Maniskop-Fahrzeug unter einem befindet, allein auf die Aeste gestuetzt.

Ansonsten haben wir den Zaun repariert, damit die Esel nicht immer ausbrechen und groesstenteils habe ich bei der Installation des Bewaesserungssystems fuer das neu entstehende Palmenfeld geholfen. Ohne kuenstliche Bewaesserung geht gar nichts - da Wasser hier ein so kostbares Gut ist, muss es entsprechend effektiv eingesetzt werden. In der Regel passiert dies ueber "Tropfer" direkt an die Wurzel.

Das Grossartigste an der Arbeit in der Dattelplantage ist das Fruehstueck : Mit Lagerfeuer unter Palmen, weissen Tischdecken und lauter leckeren Sachen, wie frischem Salat, Feta und Marmelade (ist im uebrigen eine delikate Kombination), Tchina (Sesamsosse), Oliven, Eiern, ...

Natuerlich gibt es auch hier im Kibbutz weniger spannende Arbeiten, z.B. Salaternten oder Unkrautzupfen oder Etikettenaufkleben in der Fruechteverarbeitung, wo das Obst und die Oliven zu Suessigkeiten oder Oel u.a. verarbeitet werden. Aber das haelt sich, zumindest fuer mich zur Zeit in Grenzen. Der deprimierendste Tag war der in der Kueche: Fast den ganzen Tag Geschirr spuelen. Bei ca. hundert Essern kommt schon was zusammen. Aber gemacht werden muss es ja.

Am Freitag Abend ging Chanukka zu Ende, aehnlich schoen, wie es begonnen hat. Fuer Euch beginnt nun Weihnachten. Ich wuensche Euch also schoene und entspannte Tage mit Menschen die Euch lieb sind. Frohes Fest!

*noch ein kleiner Wetterbericht: Gestern war es bewoelkt - das erste Mal seit dem ich in Neot Semadar bin. Ich bilde mir sogar ein, 2-3 kleine Regentropfen abbekommen zu haben. Ihr werdet es nicht glauben, aber immer strahlend blauer Himmerl kann auch ganz schoen langweilig sein. Da ist so eine Abwechslung schon ganz nett.

24.12.06 17:41


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