Mein Israel

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt








ein erfahrungsbericht von denise

nach drei tagen regen in haifa und den dortigen unerwarteten kühlen temperaturen beschloß ich den ausschweifenden silvesterpartys in jerusalem aus dem weg zu gehen und mir 'nen ruhigen tag bei thomas in der wüste zu gönnen. gesagt getan und so kam ich nach acht stunden anreiseweg in neot smadar an. der kibbutz strahlte eine unübersichtliche feriencamp athmosphäre aus. so das thomas trotz zwei wöchiger anwesenheit nicht in der lage war die für mich vorgesehene gästeunterkuft zu finden. fast verzweifelt klopften wir am falschen caravan an dessen bewohner uns eine runde durch den kibbutz chauffierte um dann festzustellen das meine gästematratze sich im direkt angrenzenden caravan befindet-großartig diese immerwieder chaotische hilfsbereitschaft in israel.
erste handlung des restlichen abends war silvester konsequent zu verschlafen. dies fiehl mir auch nicht wirklich schwer den nach den rumgeballere in haifa war die ruhe im kibbutz eine reine wohltat.am nächsten morgen holte thomas mich früh um 8.30 zum frühstück ab. denn dank gästestatus durfte ich drei stunden länger als alle anderen schlafen, welche schon zwei stunden arbeit hinter sich hatten.
nach dem großartigen frühstück (bis auf ein bisschen käse gab es nur frisches gemüse etc. ein paradies für ökofreaks und veganer) durfte ich thomas zu seinem aktuellem arbeitsplatz begleiten- dem ziegenstall!!! (eine vorausetzung für den kibbutzbesuch war meine bereitschaft mitzuarbeiten.) die aufgabe des morgens war die ziegenherde gassi zuführen. einfacher gesagt als getan denn ziegen sind bekanntlich herdentiere und somit vollkommen überfordert und panisch sobald sie aufgrund einer individuellen fressorgie am wegesrand den anschluss zur herde verlieren. unsere aufgabe bestand darin dieses zu vermeiden oder einzelnen ziegen hinterherzurennen und sie zurückzutreiben. dies alles geschieht mit krach und verbal streng geäußerten aufforderungen wie boi (komm) oder auch yalla (los gehts.). schnell stellte ich fest das ich ein wenig zu unautoritär für den job bin.
nach zweistündigen spaziergang wurden die ziegen noch mit wasser versorgt und man ließ mich mit der herde allein!!! 200 ziegen und ich -hallo- ich warte immer noch auf mein ziegenhüterinnenzertifikat!!!-alle waren netterweise mit fressen beschäftig und hatten beschlossen nicht wegzurennen, so das sie einige zeit später ins gehege zurückgetrieben werden konnten. jetzt war erstmal teepause angesagt-von arbeitsstress kann man hier wirklich nicht sprechen.
dann war es auch schon wieder zeit zum essen nach einem großartigem mittagessen im speiseraum-gewöhnungsbedürftig finde ich immernoch die regel: "nach möglichkeit bitte nicht verbal komunizieren." hatte ich den nachmittag frei und erkundigte den kibbutz. dies allerdings mit einem schlechten gewissen da alle um mich herum am arbeiten und rumwuseln waren. nachdem ich mir eine weile die sonne ins gesicht schienen ließ und mich vom ziegenhüten erholte (am kibbutz eigenen see-eine oase in der wüste) erkundigte ich noch ein wenig die wunderschöne, kahle, bergige, kleinwenig bizarre umgebung. später holte mich thomas dann zum abendessen ab (ich hab schon lange nicht mehr so regelmäßig und gesund gegessen wie dort). anschließend gingen wir mit zwei anderen Kibbutzniks(!?) zum etwas entfernten kibbutzeigenem cafe um dort schokowaffeln, eiscreme, und goldstar zu genießen. der rückweg wurde noch ein kleiner horrortrip. thomas und ich hatten beschlossen zu laufen und nicht mit den anderen zurückzufahren. auf halben weg hörten wir dann enorm lautes, nahes geheul von wölfen? hunden? wobei thomas dann in aller ruhe erzählt das es natürlich hier wölfe gebe. ich als kleiner/großer angsthase/stadtkind wäre am liebsten losgerannt
worauf thomas dann ganz beruhigt auf mich einredete das das auch nix bringen würde da das getier auf jeden fall schneller wäre-dankeschön!!!
unangenagt kamen wir dennoch gesund im kibbutz an. nach diesem großartigem tag schlief ich mit den geräuschen der wildnis-maschinengewehrfeuer/ explosionen-vom naheliegendem militärstützpunkt sowie dem nagen der mäuse in den caravanwänden ein. morgens um 7.20 wurden wir dann zur haltestelle gefahren wo wir den ersten bus richtung jerusalem erwischen wollten. das zeitige aufstehen wurde mit einem wunderschönen morgen belohnt der die wüste kurz nach sonnenaufgang in wunderschönen pastellfarben erstrahlen ließ. riesengroßes dankeschön nochmals und ich hoff die haben dich wieder reingelassen.
noch ne angenehme zeit in israel, lass es dir gut gehen, bis im frühjahr denise (fotos sind fertig ich poste sie sobald ich einen scanner in der nähe habe)

14.1.07 14:09


Die Tage sind gegenwaertig wenig spektakulaer hier, aber nicht eintoenig - wenn auch das Aufregende der Anfangszeit verflogen ist. Hin und wieder gibt es noch die Momente des Aussergewoehnlichen waehrend der Arbeit - Traktorfahrenlernen zum Beispiel. Obstbaeume beschneiden hat auch seinen Reiz, man kann ein bisschen kreativ sein. Mittlerwile hat die Mandelbluete begonnen. Das ist schon ein ungewoehnlicher Anblick - diese weissen-zartrosa Blueten mitten im Januar.

Inzwischen vermisse ich doch ein paar Dinge des staedtischen Kulturlebens - Kino etwa, und zeitweilig finde ich es doch etwas anstrengend, immer durch die Uebersetzungsfilter zu kommunizieren (haette ich doch meinen Babelfisch mitgenommen) Auch wenn ich mich manchmal dabei ertappe, dass ich auf englisch vor mich hindenke, ist es doch mitunter schwer auf, ohne die Nuanciertheit und Vielschichtigkeit der Sprache auszukommen, die einem am vertrautesten ist. Gute Buecher vermisse ich auch. Es gibt hier zwar eine Bibliothek, auch mit einigen deutschsprachigen Buechern, aber der groesste Teil ist ziemlicher Schrott...

Manchmal stellt sich mir die frage, ob ein laengeres Verweilen an einem Ort wirklich dazu fuehrt, dass man ein intensiveres, detailreicheres Bild bekommt oder ob man eher abstumpft. Andererseits habe ich noch keine Lust, diesen Ort zu verlassen. Ist nicht schlecht, sowas wie Alltag zu haben und die Abgeschiedenheit hat ja auch ihre ihre positiven, auf ihre Art anregenden Seiten - wo sonst die betriebsame Verdraengung einsetzt, ist man hier auf die eigenen Gedanken zurueckgeworfen.

Vor zwei Wochen war Denise, die sich einen Tag Auszeit von ihrer Bildungsreise zu Israel als Einwanderungsland nahm zu Besuch in Neot Semadar gewesen und anschliessend war ich fuer zwei angenehme Tage mit in Jerusalem. Ich hab schon geglaubt, sie hat sich doch nicht zu einem Gastbeitrag hinreissen lassen und wollte schon ironisch festhalten: Wo niemand schreibt, gibts auch nichts zu lesen! - aber was lange waehrt...

16.1.07 18:44


Die letzte Woche war ziemlich interessant. Ich habe fast jeden Tag woanders gearbeitet. Mittwoch ist in der Regel Projekttag - da werkeln wir mit vielen Leuten an einer Art Anerkennungsplatz fuer die Geldgeber, Gruender und Pioniere des Kibbutz. Der Platz liegt direkt am See und besteht aus halbkreisfoermig angeordneten Stelen. Wir bauen aus Schilfrohr eine Ueberdachung - das wird so eine Art ueberdimensionaler Pavillion. Der Platz selber wird mit Naturstein (Schiefer, glaube ich) 'gepflastert'. Da habe ich letzten Mittwoch geholfen, nachdem ich oefters mit der Schilfrohrverarbeitung beschaeftigt und etwas gelangweilt war. Nebenbei habe ich mal Caterpillar fahren gelernt. Ist letztlich auch einfacher als Auto fahren, macht aber doch ne ganze Menge mehr Spass. Man kann kann ein bisschen herumspielen und sich dabei hinter furchtbar wichtigen Angelegenheiten verstecken.

Vor dem Mittag wurden ein paar helfende Haende in der Winzerei gebraucht, weil Flaschen fuer den Transport vorbereitet werden mussten und der Wind ein paar Kistenstapel umgestossen hatte. Wenn man schonmal da ist, darf natuerlich auch eine kleine Weinverkostung nicht fehlen, vor der Mittagspause. Israelischer Wein gilt im allgemeinen als Mittelklasse und auch den hiesigen kann man durchaus trinken.

Meine kulturelle Integration macht derweil Fortschritte. Ich war letztes Wochenende fuer die Crew eingeteilt, die sich um die Mahlzeiten kuemmert. Das hiess auch, sich an zwei Tagen vorher zu treffen und einen Song einzustudieren, so dass ich jetzt mein erstes hebraeisches Lied singen kann, ist zwar ne kitschige Wuestenliebesschnulze, aber immerhin. Von Joseph, meinem Mitbewohner, habe ich mir ein weisses Hemd geborgt und wir haben zusammen anprobiert, was wir am besten anziehen. Das war durchaus nett. Ich geniesse die Shabbatessen im allgemeinen sehrund es war etwas besonderesetwas dazu beizutregen. Vielleicht ruehrte meine Hochstimmung am Freitag auch von dem Umstand, dass ich den besten Job von allen erwischt hab - sechs grosse Schokoblechkuchen in Stuecke schneiden. Hin und wieder faellt da natuerlich etwas Auschuss an.

28.1.07 16:02





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung