Mein Israel

 

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Nach drei Wochen habe ich mir mal wieder zwei Tage Auszeit genommen und beschlossen die Zeit im Makhtesh Ramon (Ramon-Krater) zu verbringen. Der liegt etwa 90 km noerdlich vom Kibbutz, idt knapp 40 km lang und bis zu 9 km breit. Die Hoehe der noerdlichen Steilwand gegenueber dem Kraterboden misst ca. 350 m und der Blick von dort oben ist atemberaubend. Im Krater gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gesteinsartenin verschiedenen Farben. Entstanden ist der Krater nicht etwa durch Vulkantaetigkeit, sondern durch die Erosion eines etwa 2000m Hohen Berges aus Sandstein der durch tektonische Verschiebungen der afrikanischen und der eurasischen Platte, die hier aneinander grenzen einst entstanden war. Der Makhtesh ist somit eine weitere Einzigartigkeit, die dieses kleine Land zu bieten hat.

Mizpe Ramon, die kleine Stadt am Kraterrand macht einen ziemlich armseligen und trostlosen Eindruck. Die meisten Haeuser stammen aus den 50er und 60er Jahren, an denen ist nichts passiert, ausser dass sie aelter geworden sind. Wenige Menschen sind unterwegs - meist aeltere, viele russischsprachige Einwanderer, wie man schnell hoeren kann. Der einzig belebte Platz ist vor einem Supermarkt. 90 % der Leute hier sind Soldaten, die auf einen Bus warten, der sie in eines der zahlreichen Trainingscamps hier im Negev bringt(ueber den Krater brausen immer wieder Kampfjets der IAF, teilweise auch unter einem im Tiefflug). Aber wegen des Stadtlebens bin ich ja nicht hergekommen, sondern um in der faszinierenden Kraterlandschaft zu wandern... Unterwegs kann man festsellen, dass die Wueste gar nicht so tot ist, wie man allgemein annimmt. Nein, die Wueste lebt! Im "Bio-Ramon" in Mizpe kann man sich ueber die Vielfalt der hiesigen Kleinfauna informieren und sich von einem netten Biologen einiges Wissenswertes und auch Ueberraschendes erklaeren lassen: Etwa, dass Schnecken die "Coca Cola" der Wueste sind oder man kann sich ueber das Sexualleben von Stachelschweinen aufklaeren lassen. Man kann sich die putzigen Fat Dessert Rats anschauen, die eigentlich gar keine Ratten sind und Spinnen, Schlangen, Reptilien, ... Neben den Kleintieren gibt es hier auch Woelfe, sogar Leoparden wurden gesichtet. Das kuriose am Makhtesh ist, dass durch seine Lage sich hier Tiere und Pflanzen von beiden Kontinenten - Afrika und Asien - finden lassen.

Geschockt war ich, als ich zurueck im Kibbutz war und am nachsten Tag vom Anschlag in Eilat erfuhr. Das ist ja nicht allzu weit entfernt und zwischenzeitlich hatte ich auch ueberlegt an meinen freien Tagen dahin zu fahren. Es war das erste Selbstmordattentat seit April letzten Jahres und der Attentaeter ist wohl aus dem Gazastreifen ueber die schwer zu kontrollierende aegyptische Grenze eingedrungen und hat sich mit einer russischen 15 kg-Panzermunition in die Luft gesprengt. Etwas befremdlich ist der schwarze Humor mit dem die Israelis solche Ereignisse verarbeiten. Aber es gab wahrlich Zeiten, da es wesentlich schlimmer war und die Israelis haben gelernt, damit irgendwie zu leben und psychologische Barrieren entwickelt.

1.2.07 16:31
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


benny (6.2.07 19:26)
wie bitte? kannst du mal kurz erläutern, warum schnecken "coca cola" der wüste sind? und im übrigen bin ich froh, daß du am besagten tag nicht in eilat warst, thomas.


T. (7.2.07 14:14)
aber gerne. normalerweise bevorzugen ja schnecken eher feuchteres klima, wie allgemein bekannt ist. das heisst , um in der wueste ueberleben zu koennen, muessen sie sich vor dem austrocknen bewahren und auf die eher raren niederschlaege warten. dazu verschliessen sie die oeffnung ihres hauses mit einer art kalkpfropfen, also einem deckel und den muss ein vogel, der in den genuss der feuchten koestlichkeit im inneren kommen will erstmal oeffnen, oder so aehnlich. jedenfalls spielen sie in der nahrungskette des makhtesh eine nicht unerhebliche rolle.

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